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Wäldchestag

25. Mai 2010
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„In Wald, da muß heut Jedes,
Zu Kutsch, zu Pferd, per Eisebah,
Zu Nache un per Pedes.
Un alle Läde un Condorn,
Die wern geschlosse; Alles!
Die Zeil leiht da, wie gottverlorn,
Un leer is selbst der Dalles!…“

Friedrich Stoltze, 1853

Nicole sitzt im (preußischen?) Norden und feiert Wäldchestag, den Dienstag nach Pfingsten, wie nie vorher. Mit Mundartkassette von 1994, “1200 Jahre Frankfurt am Main”, wo u.a. Liesel Christ und Johann Philipp von Bethmann Texte vom Fritzi sprechen. Aus der guten alten Zeit, da Frankfurt noch freie Reichsstadt war. Halbe Erinnerung an die gute alte Zeit, als Wäldchestag eine Art schulfrei bedeutete. Nicht, dass ich in den Wald ginge oder mich besöffe (einzig mal über den Jahrmarkt laufen, vor Jahren), lokalpatriotische Traditionen erreichten mich zu spät – nö, ich lese “Wäldchestag” von Andreas Maier und komme mir unheimlich cool dabei vor. Wie ich mir schon cool vorgekommen war, als ich “Oktober und wer wir selbst sind” im letzten… Oktober las. Zwar werde ich heute nicht fertig mit dem Buch, aber davor noch einiges los:
Wahnwitz! Dieser Roman ist im Menschenmiteinander wahnsinnig, und witzig auf eine alltägliche Weise, dass es einen SOAP! oder GOSSIP! ruft, an manchen Stellen. Nicht so zugänglich, wie bestimmt auch die Wetterau nicht der zugänglichste Raum im Rheinmaingebiet ist, aber nach ca. 70 Seiten hatte es mich. Wie die Menschen miteinander sprechen, nicht miteinandersprechen in ihrem Gerede. Und wie das gemacht ist, irre. Eine Testamentseröffnung am Wäldchestag: Frevel. Passend das: “Und noch viel mehr fragten sich im März viele unserer Kreisvorsitzenden, warum ausgerechnet am Dienstag nach Pfingsten eine Kreisvorsitzendenkonferenz eingeladen wird[..].” Roland Koch heute in seiner Rücktrittsrede. Denke auch an die Hesselbachs und das Testament von Onkel Eduard. (“Ihr könnt’ euch die Tränen sparen, Ihr Baggasch!”).
Maier; einer den ich kaum begriff, als er mit uns im Matthias-Beltz-Raum saß und Apfelwein aus einer Obstlerflasche trank, da hatte er noch Bart. Einer, der mir auf viele Wege näher kommt und mich an Nahes heranzieht. Ich begreife mehr.

“Jeder Wortlaut sei in sein Gegenteil umdrehbar. Meine Gedanken erlegen den Dingen keinerlei Notwendigkeit auf. Alle reden, die ganze Welt sei ein einziges Gerede, und jede Rede sei jederzeit umdrehbar, und irgendwann haben sich die Leute daran gewöhnt. Ein Ja sei dir ein Ja, ein Nein ein Nein. Auch beliebig einsetzbar. Als sei allem die Substanz entzogen.”

Andreas Maier, Wäldchestag, Suhrkamp Taschenbuch, S. 111

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